Geschichte

Die Entstehung von Wing Tsun findet sich in der nebligen Geschichtslandschaft Chinas im 17.Jahrhundert: instabile politische und soziale Verhältnisse, Kampf im Inneren und nach außen, eine unsichere Umwelt für die Bewohner. Ein Menschenleben war nicht viel wert und Ziel für den Einzelnen war das Überleben.

 

Einer spannenden Legende zufolge sollen in dieser kriegerischen Zeit fünf Großmeister des Shaolin Kung Fu in einem Kloster durch die Auswahl ihrer effektivsten Techniken ein Übungsprogramm entwickelt haben, um in kürzester Zeit versierte Kämpfer auszubilden. Durch Verrat konnte das Kloster von den Mandschus niedergebrannt werden und nur die Nonne Ng Mui überlebte. Sie floh in die Berge und verfeinerte dort den erlernten Stil. Ihr Wissen teilte sie mit Yim Wing Chun, die bei ihr Hilfe im Umgang mit einem dorfbekannten Schläger suchte, unter dessen Belästigungen sie schon lange litt. Durch das Training war sie in der Lage, dem Unhold eine Lehre zu erteilen, sodass er sie fortan in Ruhe ließ. Dieser Frau, Yim Wing Chun verdankt das Kampfsystem seinen schönen Namen. Er bedeutet übersetzt etwa „Schöner Frühling“. Seither wurde er als Familienstil im Geheimen von Generation zu Generation weitergegeben.

 

Sei die Geschichte nun wahr oder nur eine Legende: Was lässt sich aus der Entstehung des Wing Tsun für das Üben heute gewinnen? Durch welche Fähigkeiten konnte sich diese zierliche und anmutige Schönheit durchsetzten?

 

Nur die Kraft kann es nicht gewesen sein, eher dürfte sie die umfassende Ausschöpfung ihrer körperlichen, mentalen und spirituellen Fähigkeiten zum Erfolg geführt haben.

 

Man könnte sich Yim Wing Chun als eine geduldige, beharrliche, neugierige, selbständige, kreative, kritische, genügsame, gelassene Schülerin vorstellen, die diese Fähigkeiten als Wing Tsun - Übende in sich selbst gestärkt hat. Sie könnte uns geradezu als Ideal dienen und uns in schwierigen Situationen ein Beispiel geben.

 

Zum ersten Mal öffentlich unterrichtet wurde Wing Tsun von Großmeister Yip Man, der im Zuge der chinesischen Revolution 1949 nach Hongkong flüchten musste. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, unterrichtete er in den 50-er Jahren die Mitglieder der Restaurantarbeitergewerkschaft. Bis zu seinem Tode 1972 hatte er ca. 1000 Schüler, unter ihnen Bruce Lee und Leung Ting, der dann auch Wing Tsun nach Europa brachte und sich zusammen mit seinem Privatschüler Keith R. Kernspecht um die internationale Verbreitung verdient machte. Leung Ting unterrichtete Wing Tsun sehr viel direkter als es traditionell üblich war und gab dem System eine leichter zu erlernende, klare Struktur. Bernd Wagner und Keith R. Kernspecht, der auch heute noch die EWTO (European Wing Tsun Organization) leitet, waren Lehrer von Hartmut Gebelein, dessen Schüler ich bin.

 

Hinweis: Alle Namen und Organisationsbezeichungen, spieziell EWTO (European Wing Tsun Organisation) werden nur aus historischen Gründen genannt.